Bosse: ein Schäferhund sucht sein Zuhause (mit Rasseporträt)

Der Foxterrier Bobby ist nach knapp 4 Jahren im Tierheim glücklich vermittelt – Zeit, euch einen neuen Tierheim-Mitbewohner vorzustellen: Bosse, den Schäferhund. Bosse lebt seit Februar 2015 im Tierheim Geesthacht und wurde in einem schockierenden Zustand gefunden. Bosse wurde bei eisiger Kälte zum Sterben abseits von Waldwegen an einem Baum festgebunden; er litt an einer hochgradigen Demodikose und war nur noch Haut und Knochen.

Heute ist der Rüde wieder bildhübsch: Die Tierheim-Mitarbeiter konnten Bosse wieder aufpäppeln, jede tierärztliche Behandlung ließ der Schäferhund gelassen über sich ergehen. Die Zuwendung erfreute ihn sogar und schon bald zeigte Bosse, dass er den menschlichen Kontakt extrem genießt, obwohl sein voriges Leben offenbar alles andere als gut zu ihm war. Trotz seiner sieben Lebensjahre steckt viel Power in Bosse; er sucht Menschen, die Freude an einem aktiven Schäferhund haben und die ihm liebevoll zeigen, wie schön ein Hundeleben sein kann.

Mit Hündinnen kommt Bosse hervorragend zurecht, mit Rüden wurde er noch nicht getestet. Interessierte Zweibeiner wenden sich bitte unter 04152/ 74311 oder per E-Mail (info@tierheim-geesthacht) ans Tierheim Geesthacht.

Rasseporträt: der Deutsche Schäferhund

Schäferhunde wurden ursprünglich gezüchtet, um Schafe zu hüten. Aufgrund ihrer Intelligenz und ihrer Gehorsamkeit werden sie heute vielfach bei der Polizei eingesetzt. Wenngleich der Schäferhund vorrangig zur Arbeit an der Herde eingesetzt wurde, sollte er zusätzlich die Habseligkeiten des Schäfers bewachen. Der FCI beschreibt den Deutschen Schäferhund (DSH) als „… vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) völlig gutartig (…), dazu aufmerksam und führig. Er muss Triebverhalten, Belastbarkeit und Selbstsicherheit besitzen, um als Begleit-, Wach-, Schutz-, Dienst- und Hütehund geeignet zu sein.“

Der DSH ist ein sehr lernwilliges Tier, das ein Zuhause benötigt, welches seinem Selbstbewusstsein mit konsequenter Erziehung, positiver Verstärkung, Geduld und Verständnis begegnet. Mit Druck kann er – wie so viele andere Rassen – nicht gut umgehen, er ist sehr sensibel. Sein ausgeprägter Schutztrieb ist genauso zu beachten wie seine Aktivität: Der DSH ist kein Couchpotato, er benötigt viel Auslauf und geistige Beschäftigung.

Der Schäferhund ist ein sehr loyaler Typ, der sich eng an jene Personen anschließt, die er kennt. Bezüglich seiner Familie und seines Territoriums kann sein ausgeprägter Schutzinstinkt Überhand nehmen; mit entsprechender Auslastung und Erziehung können Schäferhund-Halter jedoch positiv entgegenwirken. Schäferhunde sind als Freizeithunde mit Nasenarbeit wie Fährtensuche oder Mantrailing sehr zu begeistern, auch Obedience ist ein Sport, der ihnen gefallen kann.

Wer sich für einen Schäferhund entscheidet, entscheidet sich für einen treuen Begleiter für 10 bis 12 Lebensjahre. Sein grundsätzlich pflegeleichtes Fell tendiert zum Haaren; sein Deckhaar verliert der Schäferhund übers Jahr verteilt und nicht nur zum üblichen Fellwechsel. Bevor man mit dem Schäferhund Sport treibt, ist eine Analyse von einem qualifizierten Tierarzt anzuraten, da der Schäferhund zu Skeletterkrankungen wie Hüftdysplasie neigt. Auch an den Ohren ist der DSH anfällig: Da diese groß und offen sind, sind Ohreninfektionen leider keine Seltenheit.

Bosse, der Schäferhund in Not im Tierheim Geesthacht

Bosse ist ein herzlicher Kumpeltyp. Der Rüde zieht zu Beginn unseres Spaziergangs etwas stark an der Leine, das erholt sich jedoch schnell. Der aufmerksame Bosse zeigt sich interessiert und neugierig, ist dabei super entspannt und eine Runde mit ihm macht einfach nur Spaß. Nachdem wir eine Zeitlang gelaufen sind, machen wir Rast und trainieren ein wenig: das 10-Leckerchen-Spiel wartet er in Vorfreude auf die Leckerchen bis 10 ab.

Fliegen die Leckerchen, ist er ein begeisterter Sucher – überhaupt liebt Bosse Suchspiele. Dabei versteht er zügig, dass er die dritte Dimension ins Suchen einbeziehen kann: Ob ich die Leckerchen in der Baumrinde verstecke oder zwischen Blätter werfe – Bosse findet sie mit Sicherheit!

Nach einigen Minuten zieht er nicht mehr an der Leine. Er trabt gemütlich den Weg entlang, kommt beim Warten an der Straße nah ran und geduldet sich, bis es weitergehen kann. Er schaut gern in der Gegend rum, beobachtet viel und zeigt sich als verlässlicher Freund, der sich gerne bewegt und geistig ausgelastet wird. Ich möchte mit Bosse künftig das Target-Training angehen und ihm neue Suchherausforderungen stellen.

Nachdem wir uns aneinander gewöhnt haben, werde ich außerdem prüfen, wie er sich mit anderen Rüden versteht. Wir halten euch auf dem Laufenden, wie es mit Bosse weitergeht – selbstverständlich wünschen wir ihm schon sehr bald ein Zuhause, in dem Bosse wertgeschätzt wird, denn nichts anderes hat dieser wundervolle Schäferhund verdient!

Bosse hat sein Zuhause gefunden!

Wir hatten eine tolle, sehr intensive Zeit – Bosse ist einer der größten Schätze überhaupt! Nun lebt er in seiner neuen Familie und ich wünsche ihm von Herzen alles Liebe – schön, dass wir uns auch in Zukunft sehen werden, denn eine ehrenamtliche Mitarbeiterin unseres Tierheims hat sich für den tollsten Schäferhund der Welt, Bosse, entschieden 🙂

 

Fotos: © Bianca Wellbrock

Schreibe einen Kommentar