Antijagdtraining Teil 3: Vorstehen

Um das Antijagdtraining effizient und spaßig für alle Beteiligten, also auch für deinen Hund, zu gestalten, macht es wenig Sinn, natürliches Jagdverhalten zu hemmen. Vielmehr sollte es darum gehen, ein Miteinander zu schaffen. Eine Möglichkeit dafür bietet das Jagdersatztraining, das ich dir bereits vorgestellt habe. Eine andere Option ist das Vorstehen, das du heute kennenlernst.

Vorstehen – was ist das eigentlich?

Damit Hunde ihre Beute orten und fixieren können, setzen sie das Vorstehen ein. Der Hund verharrt dabei in seiner Bewegung, friert geradezu ein und gibt keinen Laut von sich. Oft sieht man ein angewinkeltes Bein dazu. Das Vorstehen ist der Start ins Beutefangverhalten und kann von jedem Hund unabhängig von seiner Rasse gezeigt werden, was diese Methode des Antijagdtrainings so effizient macht.

Natürliche Meister des Vorstehens sind – wenig verwunderlich – die Vorstehhunde, zu denen etwa Deutsch Drahthaar und Kurzhaar sowie Münsterländer, Setter, Pointer, Spinone oder der Magyar Viszla gehören. Bist du Halter einer dieser Rassen oder eines Mischlings mit diesen Rassen, wirst du dich mit dem Vorsteh-Training sehr leicht tun, denn es ist diesen Rassen in die Wiege bzw. Wurfkiste gelegt worden. Du kannst das natürlich gezeigte Vorstehen dieser Hunderassen nutzen und unter Signal stellen.

Doch auch andere Hunde lernen das Vorstehen in aller Regel zügig. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch mehr als sinnvoll: Wildtiere haben ihre Ruhe und ein stehender Hund, der in seiner Position verharrt, ist von dir deutlich leichter abrufbar als ein hetzender Hund, bei dem jedes Rufen meist vergebens ist.

Vorstehen trainieren: Hund und Reizangel – mehr brauchst du nicht

Das Training mit der Reizangel ist ideal, um deinen Hund für das Vorstehen an echtem Wild vorzubereiten. Besitzt du keine Reizangel, kannst du auch einen Besenstiel nehmen: Befestige ein festes Seil daran, das etwa so lang ist wie der Besenstiel selbst, und knote ein begehrtes Spielzeug ans Ende.

Nun gibt es Reizangel-Enthusiasten, die die Beute am Ende der Angel wild um den Hund herum schleudern und ihn so ins Hetzverhalten bringen. Tja, so geht Reizangel-Training nicht. Wir möchten nicht erreichen, dass die Verhaltenssequenz „Hetzen“ gesteigert wird, sondern wir möchten Ruhe erzielen.

Viszla

Erste Schritte fürs Vorstehen

Ziel ist es also, die Pelznase fürs Gucken und Verharren zu begeistern. Ruht dein Hund in sich selbst und stürzt nicht sofort auf ein am Boden liegendes Spielzeug zu, kannst du das Objekt der Begierde an der Angel auf dem Boden platzieren. Würde dein Hund sich unhaltbar auf die Beute stürzen, nimmst du die Angel in die Hand und lässt das Spielzeug erst mal etwas in der Luft hängen.

Guckt dein vierbeiniger Freund nun das Spielzeug an oder steht er bereits kurz davor, markierst du dieses Verhalten. Dafür eignet sich ein Clicker ideal, aber auch ein Markerwort macht Sinn. Belohne bitte hochwertig, um dieses ruhige Verhalten weiterhin zu unterstützen.

Richtig belohnen ist die halbe Miete

Bedenke: Die Belohnung muss für deinen Hund hochwertiger sein als das Spielzeug an der Reizangel! Als Belohnung kannst du deinen Hund hetzen lassen – insbesondere Jagdhunderassen, bei denen das Hetzen sehr ausgeprägt ist, empfinden dies als starke Belohnung. Für Vorstehhunde ist das Vorstehen selbst bereits ein wirksamer Verstärker. Lobe nach dem Click oder Markerwort verbal und nutze das weitere Vorstehen als Belohnung. Belohne abwechslungsreich, denn das kommt immer gut an!

Sehr, sehr wichtig beim Belohnen ist, dass du vom Objekt weg belohnen – mit einer Ausnahme, nämlich wenn du das Vorstehen als Belohnung einsetzt. Möchtest du lieber ein Spielzeug hetzen lassen oder Leckerchen geben, wirf dies bitte von der Reizangel weg, damit du deinen Hund in Umorientierung schulst.

Sehr gelegentlich kannst du das Objekt an der Reizangel selbst auch als Belohnung einsetzen – übertreibe es jedoch nicht, um mit dem gelungenen Vorstehen und anschließendem Hetzen keine Verhaltenskette zu schaffen. Das sollte die absolute Ausnahme bleiben, jedoch gelegentlich geschehen, denn das ist eine Highlight-Belohnung für objektinteressierte Hunde. Vielleicht zählst du die Sekunden mit, in denen dein Hund es schafft, ruhig vorzustehen. Hat er es besonders lang geschafft, belohnst du ihn mit dem Hetzen des Objekts an der Reizangel.

Einigen Hunden fällt es extrem schwer, sich nach dem Klick weg vom Spielzeug umzuorientieren. Bleibe ruhig und unterstütze deine Fellnase, indem du den Abstand zwischen deinem Vierbeiner und dem Spielzeug vergrößerst. Kann sich dein Hund nach dem Click nicht zu dir umdrehen, ist auch das weitere Fixieren des Spielzeugs eine gute Belohnung. Vergiss bitte nicht, begleitend dazu verbal zu loben.

Schritt 2: Hinauszögern in Mini-Schritten

Klappt es schon mit dem kurzzeitigen Verharren oder zeigt dein Hund bereits erstes Vorstehen, zögere den Click oder das Markerwort etwas hinaus. Arbeite kleinschrittig, um Fehler zu vermeiden und das Vorstehen gleich richtig zu lernen. Mit deiner Geduld und Unterstützung schafft es deine Pelznase, immer länger ruhig auszuharren. Wenn auch das geschafft ist, kannst du– ebenfalls sehr kleinschrittig – mehr Bewegung ins Reizangel-Training bringen.

Hast du das Spielzeug bislang in der Luft gehalten, kannst du es nun gen Boden bewegen. Bist du bereits am Boden angelangt und dein Hund bleibt weiterhin ruhig, kannst du das Objekt langsam schrittweise vom Hund wegziehen. Arbeite wirklich in winzigen Schritten, damit dein Hund Gelegenheit bekommt, zu erkennen, was du möchtest: Dein jagdlicher Vierbeiner soll nur schauen.

Zur allmählichen Steigerung des Schwierigkeitsgrades verwendest du höherwertiges Spielzeug. Wichtig: Gehe dafür bitte wieder ins bewegungslose Training zurück, denn die Reizlage ist nun deutlich höher und Ziel ist, dass dein Hund fehlerfrei lernen kann. Oder du nutzt Dinge, die an Wildtiere erinnern, etwa Dummys mit Fell oder Federn. Die Reizangel ziehst du zunächst sehr langsam und später, wenn dein Hund ruhig schauen kann, immer schneller über den Boden.

Signal fürs Vorstehen einführen

can-setter

Klappt das? Prima! Dann stellen wir das Verhalten nun unter Signal: zögere den Click noch ein wenig hinaus und schalte ein Signal vors Clicken. Das sieht dann so aus: Dein Hund steht vor, du gibst dein Signal, Click und Belohnung.

Was du als Signal verwenden, bleibt selbstredend dir überlassen. Achte darauf, dass das Wort für deinen Hund neu ist, dass es dir leicht über die Lippen kommt und dass es keines der Wörter ist, die wir Menschen so gerne verwenden – wie beim Klassiker „Komm“. Verwendest du bereits das Signal „steh“ zu dem Zwecke, deine Pelznase aufstehen zu lassen, nutze es bitte nicht auch fürs Vorstehen. Auch das Wort „vorstehen“ bietet sich durch denselben Wortstamm nicht mehr an. Arbeite doch alternativ mit dem Signal „guck“ oder „scan“ oder auch „Wild“.

Raus in die Natur

Hast du das Signal ausreichend gepaukt, könnt ihr raus in den Wald oder aufs Feld – jetzt geht es ans Eingemachte! Erkennst du, dass dein Hund Wild gewittert oder gesichtet hat, gibst du das Signal zum Vorstehen und löst damit das Verhalten aus. Da deine Pelznase mit vorstehen beschäftigt ist, hetzt sie nicht. Nach dem Click bietet sich eine jagdlich ambitionierte Belohnung an: Weiter vorstehen lassen, ein Spielzeug hervorzaubern und dieses hetzen lassen oder einer Leckerchenspur folgen.

In solchen Situationen muss es etwas zügiger vonstatten gehen, wenngleich du nicht in Hektik ausbrechen darfst, da sich dein Hund davon anstecken ließe. Um schnell eine Leckerchenspur zu legen, bietet sich eine Spur aus Brühe an, an deren Ende sich hundefreundliche Köstlichkeiten, etwa ein Pansen, befinden.

Du kannst nun alle sich bietenden Gelegenheiten fürs Vorsteh-Training nutzen. Clicke jedes Verharren auf deinen Gassigängen, nachdem du das Vorsteh-Signal gegeben hast und dein Hund weiter verharrt. Das ergänzt euer Reizangel-Training und deine Pelznase bekommt Gelegenheit, sein Verhalten zu generalisieren. Eine gute Trainingsgelegenheit bieten auch Wildparks, in denen ihr den Ernstfall mit echten Tieren kontrolliert üben könnt.

Wenn es einfach nicht klappen will …

Du übst und übst – aber es will einfach nicht klappen? Vielleicht hat sich einer der folgenden Fehler beim Training eingeschlichen:

  • die Anfänge haben prima geklappt, aber nun hängst du fest. Gehe noch mal ein paar Schritte zurück. Vielleicht hast du deinem Hund schon mehr zugetraut, als er in diesem Trainingsstadium bewältigen kann. Prüfe, bis zu welchem Punkt dein Training erfolgreich verlief, setze dort noch mal an und arbeite in kleineren Schritten weiter.
  • Timing-Fehler sorgen häufig für Probleme. Achte darauf, ganz präzise das ruhige Stehen deines Vierbeiners zu bestätigen. Hier leistet der Clicker sehr wertvolle Hilfe, da du punktgenau bestätigen kannst. Clicke just in dem Moment, in dem dein Vierbeiner ruhig verharrt und das Objekt seiner Begierde anschaut.

Pointer

Arbeite wirklich kleinschrittig. Ziel sollte es sein, dass der Hund immer schafft, was du ihm aufträgst. Startet dein Hund plötzlich los, hast du den Click zu lange herausgezögert. Sichere deinen Vierbeiner in freier Wildbahn bitte mit einer Schleppleine (die sich nie am Halsband, sondern am Brustgeschirr befinden soll) ab, damit er – gerade in den Anfängen des Vorstehtrainings – eben nicht doch durchstarten kann. Sollte dies einmal beim ungefährlichen Training mit Spielzeug geschehen, nimmst du das Spielzeug kommentarlos an dich und übst erneut.

Antijagdtraining – zwei hervorragende Optionen

Du siehst: Mit dem Jagdersatztraining und dem Vorstehen hast du zwei hervorragende Optionen an der Hand, um deinen jagdlich ambitionierten Hund bestens auszulasten. Du selbst stärkst durch dieses Miteinander die Beziehung zu deinem Hund und verzichtest – nach erfolgreichem Trainingsaufbau – auf die Schrecksekunde, die dich schier in den Wahnsinn trieb, als dein Hund zuletzt durchstartete. Es ist sinnvoller, mit dem Hund zu arbeiten als gegen ihn.

Für beide Optionen ist es sinnvoll, einen Hundetrainer zurate zu ziehen, da der Aufbau sowohl beim Jagdersatztraining als auch beim Vorstehen mit der Reizangel sehr komplex ausfällt und viele Details beachtet werden müssen. Ich wünsche dir und deinem Vierbeiner viel Spaß beim Training und beim gemeinsamen Alternativ-Jagen!

 

Fotos:
Titelbild: „Infatuated“ von Natasha d.H, Lizenz: CC BY 2.0
Artikelbilder:
Magyar Vizsla Fanta“ von Maja Dumat, Lizenz: CC BY 2.0
Can, setter“ von IES Manuel Carcia Barros a Estrada, Lizenz: CC BY-SA 2.0
German Shorthaired Pointer Moorland“ von Harold Meerveld, Lizenz: CC BY 2.0

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