Das Anti-Giftköder-Training

Hier wird mit positiver Verstärkung gearbeitet. Das Ziel ist, dass der Vierbeiner einen Fund anzeigt, aber erst fragt, ob er dies überhaupt aufnehmen darf. Gleichzeitig ist er abrufbar.

 

Erlaubt ist, was schmeckt!

Um Erfolg zu haben, ist es zuerst wichtig, die Hierarchie der Leckerlis herauszubekommen. Denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, auch beim Hund! Es gibt einen einfachen Trick, um die Vorlieben deines Fellfreunds herauszufinden: du nimmst zwei verschiedene Leckerlis – in jede Hand eines. Es kann helfen, wenn du deinem Hund das Sitz-Bleib-Signal gibst, damit er nicht sofort aufs Leckerli losstürmt.

Entferne dich dann einen halben Meter von deinem Hund und öffne deine Hände. Höchstwahrscheinlich fixiert dein Hund bereits eine Hand. Mit deinem Freigabe-Signal (bei uns ist das „okay“) darf dein Hund nun sein liebstes Leckerchen nehmen. Diese Übung wiederholst du mit verschiedenen Leckereien, bis du weißt, wofür dein Hund alles andere stehen und liegen lässt. Dieses Lieblingsleckerli bietest du deinem Hund künftig an, wenn er etwas Köstliches auf der Straße gefunden hat.

Was du auch brauchst, ist ein positiv auftrainiertes Abbruchsignal. Mir kommt ein schnödes „iiiieeehh!“ über die Lippen, wenn meine Hunde Köstlichkeiten wie Pferdeäpfel gefunden haben. Sage ich dann „iiiieeeeh!“, wetzen die Fellnasen zu mir, um sich ihr Lieblingsleckerli abzuholen. Hunde lernen also: Egal, was auf der Straße liegt – mein Mensch hat immer was Besseres dabei!

Freiwillige Aufmerksamkeit trainieren

Nun ist das Thema Aufmerksamkeit wichtig. Ohne Signal wendet sich der Hund freiwillig an seinen Menschen – das ist das Ziel. Du kannst diese Übung schon mit einem Welpen üben und sie regelmäßig auffrischen. Zum Trainieren der Aufmerksamkeit gibt es verschiedene Wege. Ich persönlich bin ein großer Freund vom Shapen („freies Formen“): wendet sich eine meiner Hündinnen mir zu, freue ich mich wie Bolle, clicke und belohne. Mittlerweile schauen die beiden sehr regelmäßig, ob ich noch da bin 😉

Du kannst die Aufmerksamkeit auch direkt trainieren. Nimm dir etwas, was dein Hund köstlich findet – dein Ekel davor sollte sich in Grenzen halten, denn die Köstlichkeit wandert gleich in deinen Mund. Käsestückchen oder Fleischwurst sind meist eine gute Option. Du zeigst deinem Hund die Köstlichkeit – ein Stück darf er direkt haben. Die anderen Stückchen legst du unter Beobachtung deines Hundes in deinen Mund (nicht essen!! Wenn’s dir auch so gut schmeckt, probiere später, jetzt ist erst mal dein Hund dran).

Dann beugst du dich behutsam über deinen Hund und lässt ein Stückchen der Leckerei auf ihn fallen. Das darf er sich natürlich nehmen. So lernt dein Hund auf spielerische Weise, dass es sich wirklich lohnt, dich im Auge zu behalten – da passieren ja irre spannende Dinge! Vorsicht aber beim ängstlichen Hund: beuge dich nur über deine Fellnase, wenn du dir absolut sicher bist, sie damit nicht einzuschüchtern.

Beim ängstlichen Hund solltest du eher shapen wie oben beschrieben. Andernfalls entsteht ein Konflikt im Hund: einerseits möchte er die Leckereien, andererseits vertraut er dir womöglich noch nicht so ganz. Du kannst auch mit mehr Entfernung trainieren: wirf die Leckereien in seine Richtung. Hunde sind nicht dumm, sie wissen dennoch, dass die Leckereien von dir kommen.

"Ich bin ganz bei dir, Frauchen!"
„Ich bin ganz bei dir, Frauchen!“

 

 

Aufmerksamkeit auf Signal

Auch kannst du ein Signal einführen, damit dein Hund dir Aufmerksamkeit schenkt. Übungen wie diese stärken eure Bindung, denn du und dein Hund unternehmt gemeinsam etwas. Nimm ein Leckerchen zwischen Daumen und Zeigefinger und halte es dir vors Auge. Schaut dein Hund, spendierst du ihm das Leckerchen und beginnst das Spiel von vorn.

Klappt das? Prima, dann steigere die Schwierigkeit, indem du das Leckerchen mit ausgestrecktem Arm von deinem Körper weghältst. Schaut dir der Hund ins Gesicht, bekommt er sein Leckerchen. Habe Geduld: die meisten Hunde starren zunächst zum Arm und nach einiger Zeit verwirrt zum Halter. Diesen Moment nutzt du, um deinen Hund zu bestätigen (was mit dem Clicker oder einem Markerwort punktgenau gelingt).

Wenn auch das klappt, kannst du es mit dem anderen Arm versuchen. Außerdem kannst du die Zeit, die dein Hund dich anschaut, steigern. Erst dann, wenn dein Hund ganz sicher weiß, was er tun soll, um das Leckerchen zu ergattern, führst du ein Signal (z. B. „schau“) ein.

"Schau mir in die Augen, Kleiner"
„Schau mir in die Augen, Kleiner“

Die meisten Hunde haben einen irren Spaß an diesem Training. Es gibt allerdings auch jene Ausnahmen, die sich durch den Blick in die Augen bedroht fühlen und es nicht wagen, einem Menschen in die Augen zu schauen. Hast du ein solches Exemplar zuhause, hab bitte Geduld – schließlich müssen unsere Hunde alles, was sie bisher wussten, über Bord werfen und werden nun für eine eigentliche Drohgeste, nämlich das Starren in die Augen, belohnt. Das braucht Übung und Geduld. Sieh‘ es nicht allzu eng und belohne zu Beginn kleinste Ansätze, etwa einen kurzen Blick in dein Gesicht.

Beginne mit den Übungen in einem Raum ohne Ablenkung und wechsle später die Orte bis zu dem Spaziergang mit Ablenkung. Schließlich kannst du trainieren, das Signal „Schau“ auf einer Entfernung von einem Meter zu geben, anschließend steigerst du die Distanz weiter. Ist dein Hund kein Schleckermäulchen, kannst du Spiel-Belohnungen nutzen. Auch Umweltbelohnungen wie schnüffeln, buddeln oder in die Gegend starren sind möglich. Und immer dran denken: Auch wenn du die Belohnungen schon heruntergefahren oder aber ganz abgebaut hast, tut ein freundliches Wort des Lobes oder ein gelegentliches Leckerchen niemandem weh, im Gegenteil.

 

Ignorieren trainieren

Im folgenden Schritt des Anti-Giftköder-Trainings lernt deine Fellnase, auf einem Gassigang ihren Fund zu ignorieren. Anfangs kann dabei eine Schleppleine hilfreich sein.

Funde ignorieren und an der Schleppleine trainieren
Funde ignorieren und an der Schleppleine trainieren

 

Der Hund nimmt Fressbares schneller wahr als wir Menschen. Daher benötigst du einen präparierten Parcours, der für dich gut überschaubar ist. Entweder ein Helfer hat auf diesem Weg schon ein paar Häppchen verstreut oder du verteilst diese beim Gassi gehen. Dabei lässt du die Leckerchen unauffällig nach hinten fallen und übst auf dem Rückweg mit dem Hund. Du siehst: ein einsamer Feldweg ist zum Üben sinnvoller als eine überfüllte Hundewiese 😉

Nimm zu Beginn die Leckerchen, die dein Hund im ersten Trainingsschritt nicht so toll fand, damit du immer etwas Besseres bieten kannst, denn die richtig köstlichen Leckerbissen hältst du natürlich in der Hand. Wichtig ist, zu wissen, wo diese mittelmäßigen Häppchen liegen, um sofort zu reagieren und nicht erst, wenn der Hund die Nase dran hat!

Du gehst mit deinem Hund die Strecke ab. Entdeckt er sein Leckerli, gibst du das Signal „Schau“, das du ja bereits ordentlich trainiert hast. Schenkt dir dein Hund Aufmerksamkeit, gehst du weiter, lobst ausführlich und gibst ihm dabei sein Lieblingsleckeri, das soooo viel besser schmeckt als dieser potenzielle Giftköder am Boden. Fixiert der Hund das Bodenhäppchen, kannst du dein positiv trainiertes Abbruchsignal („iiiieeeeh!“) oder die Signale „Sitz“ und „Schau“ nutzen.

Kommt dein Hund angeflitzt oder sitzt er brav und schaut dich an, gehst du am Häppchen vorbei und spendierst deinem Hund sein Lieblingsleckerli. Diese Übung wiederholst du bis zum Erbrechen in allen erdenklichen Situationen und an ganz verschiedenen Orten. Dein Hund lernt: „Auch wenn ich etwas finde, gehe ich lieber gleich zum Lieblingleckerli bei meinem Menschen.“

Und was, wenn der Hund das Häppchen vom Boden nimmt? Ruhig bleiben! Es ist ja nichts passiert, ihr befindet euch im Training. Brich die Übung fürs Erste ab – beim nächsten Training klappt es sicher besser!

 

„Gutes kommt nur von meinem Menschen“

In einer weiteren Übung des Anti-Giftköder-Trainings lernt deine Fellnase: Alles, was auf dem Boden liegt, ist tabu!

Dafür legst du heimlich Leckerli aus und merkst dir die Stelle. Ist dein Hund genau davor, folgt ein positiv trainiertes Abbruchsignal und du rufst deinen Hund ab. Zur Belohnung gibt es, selbstverständlich – was denn sonst, sein Superleckerli.

"Die tollsten Sachen gibt's nur bei meinem Menschen!"
„Die tollsten Sachen gibt’s nur bei meinem Menschen!“

 

Habt ihr die Signalkontrolle bei den Grundsignalen („Sitz“, „Platz“, „Bleib“ und „Komm“) schon ordentlich gepaukt, können weiterfolgende Übungen kommen: bringe deinen Hund ins Sitz-Bleib und entferne dich von ihm – anfangs nur einen, dann wenige, später mehr Schritte. Du kommst zurück zu deinem Hund und belohnst ihn tüchtig. Hier lernt dein Hund: Geduld zahlt sich aus, auch bei größerer Distanz.

Auch du als Halter wirst Geduld brauchen! Denn bis zum ersehnten Erfolg können schon Wochen ins Land ziehen. Ist der Durchbruch dann gelungen, kannst du deinen Hund mal abrufen, mal zu ihm zurückgehen. So oder so: Belohnung nicht vergessen!

Du kannst deinem Hund auch Anzeigeverhalten beibringen. Findet er etwas, zeigt er diesen Fund dann an. Bei meinen Hunden habe ich trainiert, dass sie bei Funden bellen. Dein Hund könnte aber auch ins Sitz oder Platz gehen – bei Regenwetter und im Winter finde ich persönlich diese Optionen ungünstig (unsere Hunde frieren schnell). Wir haben folgendermaßen trainiert:

Zunächst haben wir eine verführerische Spur gelegt (oder legen lassen: wir leben in einem Gebiet mit vielen Reitern und unsere Hunde lieben Pferdeäpfel!). An der Schlepp- oder Führleine halten wir kurz vor der Leckerei. Das gewünschte Anzeigeverhalten „bellen“ haben wir vorher natürlich trainiert. Also kann ich das Signal geben und die Hunde bellen. Nun kannst du selbst entscheiden: dürfen die Hunde von der Leckerei auf der Straße naschen (bei selbst ausgelegten Spuren ist das ja in Ordnung) oder rufe ich den Hund zurück und belohne aus der Hand?

Der Idealzustand ist, dass der Hund nur auf „Nachfrage“ (Hunde „fragen“, indem sie ihren Menschen anschauen) etwas vom Boden oder von Fremden nimmt. Du kannst dann mit einem Freigabesignal („okay“ oder „nimm’s“) reagieren oder aber durch das Abbruchsignal vermeiden, dass dein Hund etwas bekommt. Im Falle des Abbruchsignals macht es immer Sinn, dass du den Hund dann bei dir belohnst – so bleibt das Signal positiv und dein Hund weiß, dass sich auch ein „Nein“ lohnen kann.

 

Weiterführendes Training: Trainingsziele festigen

Um die erreichten Trainingsziele zu festigen, ist es hilfreich, eindeutige Signale anzutrainieren: „Pfui“ oder „iiieeeh“ beispielsweise, wenn seine Nase auf dem Weg zum Häppchen ist. „Aus“ getrennt davon, wenn er etwas aufgenommen hat und es fallen lassen soll. Diese Giftköder-Prävention darf gerne schon im Welpenalter beginnen!

Die Impulskontrolle dient dazu, dass der Hund erst nach Freigabe fressen darf – damit nichts Schädliches in seinen Körper wandert: im ersten Trainingsschritt hältst du ein Leckerchen in deiner geschlossenen Faust. Dein Hund wird nun einiges probieren: an der Hand kratzen, mit der Schnauze dran stoßen oder schlecken. Du ignorierst alles gekonnt und vor allem gelassen – lass deinen Hund probieren, er findet gleich die Lösung.

Sobald er einen Moment innehält und von deiner Hand ablässt, öffnest du die Hand, gibst dein Freigabesignal und er darf die Leckerei haben. Auch hier gilt: mit Clicker oder Markerwort kannst du punktgenauer bestätigen. Klappt das, lässt du die Hand offen und dein Hund darf sich dann bedienen, nachdem dein Freigabesignal ertönt. Im nächsten Schritt legst du das Leckerchen schon auf den Boden. Funktioniert auch das, kannst du die Bedingungen erschweren: lass deinen Hund „Sitz“ machen, lege das Leckerchen neben ihn ab. Dann rufst du ihn ab, dein Hund kommt zu dir – und als Belohnung darf er sich das Leckerchen schnappen. Du freust dich natürlich irre, denn sowas zu schaffen, ist richtig stark!

brav auf die Freigabe warten (Foto: © Igor Normann - Fotolia.com)
brav auf die Freigabe warten
(Foto: © Igor Normann – Fotolia.com)

Bei all diesen Übungen vergisst du bitte niemals: dein Hund und du – ihr seid ein Team. Es bedarf auch deiner vollen Konzentration! Also nicht üben, wenn du einen schlechten Tag hast – dieser kann somit noch schlechter werden, und zwar für dich und deinen Hund! Verliere nicht die Geduld; seine Impulse derartig zu kontrollieren, ist echt hart. Gestehe deinem Hund auch mal einen schlechten Tag zu. Und wenn es ihm gelingen sollte, doch das Häppchen zu klauen, nimm es mit Humor: du hast einen sehr schlauen Hund und darfst im Training wohl noch etwas präziser werden. Positiv arbeitende Hundetrainer zeigen dir, wie das gelingt.

 

Hast dunoch weitere Tipps? Oder schon Erfahrungen mit dem Anti-Giftköder-Training gemacht? Ich freue mich auf Kommentare & Meinungen!

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