Das Chinchilla: Herkunft, Haltung und Pflege

Das Chinchilla, ursprünglich aus den trockenen Höhenlagen der Anden stammend, ist ein äußerst flinker und geschickter Kletterer. Tagsüber verkriechen sich die possierlichen Tierchen gerne in Felsspalten und Höhlen, die Nacht machen sie zum Tag. Das einzigartig dichte und fettfreie Fell der Chinchillas sorgte früher dafür, dass sie in Massen gejagt, gezüchtet und für die Pelzgewinnung genutzt wurden. Heute hat sich das glücklicherweise verändert: Die sich vegan ernährenden Nagetiere werden fast ausschließlich als Haustier gehalten.

Chinchillas als Haustiere: Artgerechte Haltung

Chinchillas sind gesellige Tierchen; sie leben in Rudeln. Deshalb müssen die Tiere mindestens zu zweit gehalten werden. Sind keine Tiere des anderen Geschlechts in der Nähe, klappt es mit der Haltung gleichgeschlechtlicher Gruppen ganz gut. Auch die Paarhaltung ist denkbar, kann jedoch zu Problemen führen. Der Bock müsste kastriert werden, eine solche Kastration ist beim Chinchilla jedoch ein risikoreicher Eingriff.

Als Bewegungs-Liebhaber springen, klettern und laufen Chinchillas viel – wenn sie die Möglichkeiten dafür haben. Es liegt am Halter, eben solche Möglichkeiten zu schaffen. Die gesetzlichen Empfehlungen sind leider ein Witz: 2014 erschien vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das “Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren” (PDF). Hier wird 1 qm für Pärchen und für jedes weitere Tier zusätzlich 0,5 qm empfohlen. Auch soll eine Höhe von mindestens 150 cm zur Verfügung stehen. Oft liest man für den Chinchilla-Käfig auch die empfohlenen Maße von 150 cm x 80 cm x 150 cm.

Das reicht jedoch nicht aus. Ab einer Bodenfläche von 2 qm gelingt das Einrichten besser und eine solche Größe spendiert den Tieren die Möglichkeit, auch mal zu laufen. Der Käfig sollte höher sein als 1,50 m, denn sehr gerne halten sich Chinchillas auf höheren Etagen auf. Wichtig: Bauen Sie Zwischenetagen ein! Ohne solche Zwischenetagen provozieren Sie Abstürze aus großer Höhe, die zu Verletzungen führen können.

Beachten Sie auch den Gitterabstand, der 1 – 1,5 cm betragen sollte. Leider kann man im Handel keine passenden Gehege kaufen, ideal ist also ein Eigenbau. Es kommen aber auch Volieren aus dem Handel in Frage, die dann entsprechend eingerichtet werden können.

Können Chinchillas in Außenhaltung?

Chinchillas stammen ursprünglich aus Südamerika. Hier herrschen klimatische Bedingungen vor, wie es sie bei uns nicht gibt. Chinchillas verfügen über keine Talg- und Schweißdrüsen, was sie ungeeignet für die Außenhaltung macht. Weder kommen sie mit unseren schwül-heißen Sommern noch mit unseren nasskalten Wintern zurecht.

Idealerweise ist der Chinchilla-Käfig oder die -Voliere an zwei Seiten blickdicht geschlossen. Die Tierchen sind recht schreckhaft und lärmempfindlich. Die Tiere müssen vor Zugluft, aber auch vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein.

Ein Plätzchen im Schlafzimmer ist ungeeignet, denn die kleinen nachtaktiven Nager machen ordentlich Lärm. Einrichtungsgegenstände bestehen idealerweise aus unbehandeltem Holz (kein Nadelholz!), aus Kork oder aus Keramik. Mit Naturzweigen kommen Halter dem Nagebedürfnis der Tierchen entgegen. Unbedingt erforderlich ist auch ein Sandbad. Mit ihm betreiben Chinchillas ihre Fellpflege.

Auslauf ist Beschäftigung

Chinchillas ruhen tagsüber und werden erst mit der Dämmerung aktiv. In den Abendstunden sollten Halter ihren Tieren Freilauf gönnen. Mindestens eine Stunde lang, sehr gerne aber auch mehrere Stunden pro Tag.

Perfekt ist es, wenn die Chinchillas selbst bestimmen können, ob sie Freilauf haben möchten oder in ihrem Gehege bleiben. Die Tierchen möchten im Freilauf ihre Umgebung intensiv erkunden. Der Auslaufbereich sollte deshalb vor üblichen Gefahren (Giftpflanzen, Kabel, Steckdosen, geöffnete Türen, offene Fenster, Vasen, etc.) geschützt sein. Bedenken Sie, dass Chinchillas sehr hoch springen können. Sichern Sie den Freilauf bitte entsprechend ab.

Ernährung der Chinchillas

Aus einer kargen Vegetation stammend, ernähren sich wilde Chinchillas von Kräutern, Gräsern, Blättern, Zweigen sowie Kakteen. Nur selten ergattern sie auch mal Wurzeln oder Früchte. Achten Sie bei der Ernährung Ihrer Chinchillas auf wenig Fett und Protein, dafür viel Rohfaser, gesunde Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien.

Eine ausgewogene Chinchilla-Ernährung braucht die folgenden Bestandteile:

  • Heu
  • Grünfutter (Blätter, die grünen Bestandteile von Pflanzen)
  • Wiesengrün (Gras, Kräuter, Blüten)
  • getrocknete Blätter, Kräuter und Blüten
  • Obst und Gemüse
  • hochwertige Samenmischungen

Eventuell haben Sie eine Wildwiese in Ihrer Nähe, auf der Sie in den Sommermonaten verschiedene Gräser und Kräuter sammeln können. Heu muss den Nagern immer in bester Qualität zur Verfügung stehen. An Gemüse und Obst muss man Chinchillas erst langsam gewöhnen, um Verdauungsschwierigkeiten zu vermeiden. Obst sollte sowieso nur in geringen Mengen gereicht werden, da es viel Zucker enthält.

Die Nagestangen und andere Leckereien, die Sie im Zochfachhandel kaufen können, sind leider gänzlich ungeeignet für Chinchillas. Hier sind oft Getreide, Nüsse und Kerne enthalten, die sich nicht für die Tiere eignen. Die Stärke, die im Getreide enthalten ist, lässt sich nur schwerlich im Darm aufschließen.

Verzichten Sie bitte auch auf Salzlecksteine. Diese können zu einer Überversorgung mit Natriumchlorid führen, was starke Nierenprobleme mit sich bringen kann.

Chinchillas sind keine Schmusetiere!

Sie sehen kuschelig aus mit ihren großen Knopfaugen, ihren süßen Öhrchen und ihrem weichen Fell – dennoch: Chinchillas sind keine Kuscheltiere! Zwar lässt sich ein zahmes Tier durchaus mal anfassen. Jedoch hüpft es auch schnell weiter, wenn es genug hat.

Chinchillas sind anspruchsvolle Hausgenossen: Ihrer Bewegungsfreudigkeit müssen Halter genauso Rechnung tragen wie ihrer Nachtaktivität, ihrem Nagetrieb und ihrer speziellen Ernährung. Wird man ihnen jedoch gerecht, ist das Beobachten dieser Tierchen weitaus spannender als der schnöde Fernsehabend. Aufgrund ihrer hohen Lebenserwartung von bis zu zwei Jahrzehnten bleibt einem diese Freude sehr lange.

 

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