Ein Welpe kommt ins Haus – Teil 1

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Der letzte Beitrag unserer Tierschutzserie befasste sich mit der Frage, ob dein Herz eher für einen Welpen oder einen erwachsenen, vielleicht sogar einen Seniorhund schlägt. Du hast dich für einen Welpen entschieden und erfährst in den kommenden Wochen, bevor wir uns mit Senioren auseinandersetzen, was du unbedingt vorbereiten solltest, wie du in den ersten Tagen und Wochen mit der kleinen Pelznase umgehst, was der Welpe schon lernen sollte und worauf du achten solltest, wenn du bereits Hunde hältst.

 

 

 

Audio-Version (powered by SpeakStaff, Sprecher: Tom W. Wolf)

 

Dein Welpe kommt – diese Vorbereitungen triffst du im Haus

Dein Herz schlägt schon höher, in Gedanken rennst du bereits mit deinem pelzigen Stöpsel über die Wiesen – aber: ich muss dich noch etwas bremsen, du hast noch einiges zu tun! Damit sich dein neues Familienmitglied nicht verletzen kann, prüfst du dein Haus oder deine Wohnung bitte auf die folgenden Gefahrenquellen und beseitigst sie, indem du sie ausschließt, wegsperrst oder anderweitig unzugänglich machst:

  • Stromquellen wie Stromkabel
  • Reinigungs- und anderen Haushaltsmittel, auch Medikamente
  • giftige Lebensmittel und Pflanzen (eine Übersicht findest du u. a. bei Partner Hund)
  • weitere giftige Flüssigkeiten (gefüllte Kühl- & Wärmekissen; schaue lieber einmal zu viel als zu wenig)
  • Plastiktüten

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Da du dich auf das Abenteuer Welpe einlässt, ist es weiter empfehlenswert, den handgeknüpften Perserteppich vorübergehend gegen eine günstige und möglichst abwaschbare Alternative zu tauschen. Dein Pelznäschen ist noch nicht stubenrein und du sorgst für unnötige Spannungen gleich in den ersten Tagen und Wochen, wenn du solch teure Anschaffungen beim Haus-Check übersiehst.

Nicht nur mangelnde Stubenreinheit, sondern auch das starke Kaubedürfnis eines Welpen kann für mächtigen Ärger sorgen. Insbesondere in der Zeit des Zahnwechsels kauen Welpen liebend gern auf Dingen herum – das massiert das Zahnfleisch prima und da dein Welpe sich nicht unbedingt um Anschaffungspreise schert, ist ihm dein Perserteppich dafür genauso lieb wie ein Putzlumpen.

Gibst du ihm rechtzeitig den Lumpen zum Kauen (den du selbstverständlich im Zoofachhandel gekauft hast – ernsthaft: das dargebotene Welpenkauspielzeug hilft mehr beim Zahnen als dein Schuhputzlappen oder der Perserteppich; beides ist schlimmstenfalls sogar giftig für den Welpen), kommst du um das Problem angebissener Einrichtungsgegenstände herum.

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hohes Kaubedürfnis: Welpen ist es egal, ob „Kauspielzeug“ auch tatsächlich welches ist

Einkaufsliste: das brauchst du für deinen Welpen

Apropos Welpenspielzeug: neben dem Knabberspielzeug (gerne etwas härteres und etwas weicheres – die Kau-Präferenzen können sehr verschieden sein und sich auch zwischendurch ändern) kannst du dir zusätzlich die folgenden Anschaffungen notieren:

  • viel Küchenpapier
  • Körbchen oder Hundedecke, eventuell auch eine Hundebox
  • Futter (spezielles Welpenfutter, da hier wichtige Nährstoffe enthalten sind. Züchter geben Welpenkäufern oftmals etwas mit, bei Welpen aus dem Tierschutz frage bitte, was der Hund bisher bekam. Füttere das bisherige Futter noch etwas weiter und stelle nach und nach durch Zugabe des neuen Futters um, bis du das bisherige Futter komplett abgebaut hast.)
  • Näpfe für Futter & Wasser (stabil und rutschfest sollten sie sein. Und verzichte bitte möglichst auf Spielereien wie hochstehende Näpfe – Hunde würden sich in der Natur auch herabbeugen, oder hast du schon mal von einem Kaniden gehört, der sein Mahl vor dem Fressen erhöht auf einen Baumstamm drapierte?)
  • noch mehr Küchenpapier
  • ein Hundemantel für Welpen – das Bäuchlein ist noch nackig und muss an kühlen Tagen vor Kälte und Nässe geschützt werden, ansonsten folgen Blasen- und Nierenerkrankungen
  • eine Welpenleine und ein passendes Geschirr sowie ein Halsband (gewöhne dein Pelznäschen idealerweise an beides, eventuell möchtest du später Geschirr und Halsband verwenden)
  • eine Bürste zur Fellpflege (aus eigener Erfahrung kann ich dir diesen Striegel sehr ans Herz legen)
  • Transportbox und/ oder Sicherheitsgurt fürs Auto
  • und noch mehr Küchenpapier

Ach, und noch ein Tipp: Lade unbedingt die Kamera-Akkus! Du weißt schon … dieser Welpe ist sooo süß! „Guck mal, was er jetzt macht …“ – es ist besser, du hast die Kamera zur Hand und sie löst auch noch aus.

Melde deinen Welpen hier & da an

Jeder Hund muss bei der Gemeinde angemeldet werden – so auch dein Welpe. Außerdem musst du für deinen Hund eine Haftpflichtversicherung abschließen. Vereinbare auch schon einen ersten Tierarzttermin für ihren Mini-Vierbeiner – einmal durchchecken und gegebenenfalls grundimmunisieren, bitte. (Setze auf deine Einkaufsliste bitte auch ein paar Leckerchen – beim Tierarzt ist es aus Hundesicht eher gruselig; versüße es deinem Schützling.)

Denk‘ auch rechtzeitig an die Welpenspielstunde. Man könnte wohl locker zwei oder drei Blogbeiträge allein darüber schreiben, was eine gute Welpenstunde von einer schlechten unterscheidet, und sicherlich werden wir uns dem Thema in mindestens einem Blogbeitrag intensiver widmen, für den Anfang seien jedoch die folgenden Kriterien genannt, mit denen du eine gute Welpenstunde ausmachen kannst:

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spielende Weimaraner-Welpen

 

Die ideale Welpengruppe

In der einzelnen Gruppe sind nicht mehr als sechs Welpen. Im Vordergrund steht in aller Regel das Spiel der Welpen miteinander, während die Halter lernen, dem eigenen Welpen Schutz zu bieten. Der Trainer erklärt das Sozialverhalten der Welpen und weist die Welpenhalter in die subtile Hundekommunikation ein. Deine Fragen kann der Trainer umfassend beantworten, er erklärt und unterstützt.

Zu keinem Zeitpunkt wird ein Welpe zu etwas genötigt und Signale werden spielerisch und positiv trainiert, um den Welpen nicht zu überfordern. Der Trainer erkennt, wann die Welpen eine Pause brauchen und greift sofort ein, wenn er ernsthafte Auseinandersetzungen oder „Mobbing“ feststellt. Idealerweise besteht das Trainingsgelände aus verschiedenen Untergründen oder ihr trefft euch an verschiedenen Orten.

Die teilnehmenden Welpen sind ungefähr im selben Alter und vom selben Temperament – du könntest ein hundelebenlang was davon haben, dass dein achtwöchiger Chihuahua-Welpe in der Welpenspielgruppe von einem 16 Wochen alten Labrador-Welpen mit 15 kg Kampfgewicht umgerollt wurde: auch wenn Labbi Fido es nicht bös gemeint hat, traut dein Chi keinen schwarzen Hunden mehr.

Die lebenswichtige Prägezeit

Gerade in der Welpenzeit sind positive Erfahrungen so enorm wichtig! Man spricht nicht umsonst von der Prägezeit: Verhalten wird geprägt, Erfahrung um Erfahrung, positiv wie negativ. In unserem Beispiel könnte der Chihuahua tatsächlich Angst vor anderen Hunden allgemein oder Hunden mit bestimmten Eigenschaften (Labrador, schwarzer Hund, großer Hund, Rüde, Hündin, …) und in deren Folge Aggressionen entwickeln.

Je tiefer Ängste verankert sind, umso schwieriger wird es, unseren Hunden zu helfen. Es kann also sehr arbeitsintensiv werden – aber das lohnt sich! Oftmals können Ängste zumindest soweit behandelt werden, dass du und dein Hund glücklich miteinander werdet. Sitzen die Erfahrungen unseres Beispiel-Chihuahuas extrem tief, weil sie sich über Jahre gefestigt haben (diesen Festigungsprozess bezeichnet man als Sensibilisierung: Reize, die der Organismus deshalb als wichtig empfindet, weil sie eine Gefahr darstellen könnten, bewirken nach wiederholter Konfrontation eine Verstärkung der Reaktion. Je öfter der Hund also aggressiv auf den Reiz „schwarzer Hund“ reagiert, umso aggressiver fallen seine Reaktionen aus und sie können sich auch verallgemeinern [= generalisieren], z. B. nach einer gewissen Zeit auf alle Hunde, nicht nur auf schwarze Hunde übergehen), was nun zu heftigen Aggressionen geführt hat, wird er wohl nie des Labbis bester Freund und mit seinem Erzfeind glücklich über eine Wiese schweben, um sich zu wälzen und miteinander das Beinchen zu heben.

Aber du kannst erreichen, dass sich dein Chihuahua mit Fokus auf dich am „großen Schwarzen“ recht sicher und entspannt vorbeiführen lässt. Mittels Markertraining kannst du die Emotionen deines Hundes auf „positiv“ trimmen und so weiterführend trainieren. Die beste Möglichkeit ist jedoch diese: Geht der Trainer der Welpenspielgruppe die Situation direkt an, entsteht erst gar kein Problem.

Freue dich auf den kommende Beitrag: wir besprechen die ersten Tage mit deinem neuen, pelzigen Mitbewohner.

 

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