Graue Schnauzen aus dem Tierschutz – Teil 1

Nachdem du das Für und Wider von Welpen, erwachsenen Hunden und Senioren aus dem Tierschutz abgewogen hast, kommst du zu dem Schluss, dass du eine graue Schnauze adoptieren möchtest. Freu dich: ein alter Hund wird dein Leben bereichern!

In dieser und den kommenden Wochen sehen wir uns an, welche Überlegungen du vor der Adoption anstellen solltest, wie Erziehung und Umgang mit Hundeopis und -omis laufen können; du liest über häufige Alterserscheinungen, wobei wir Blind- und Taubheit besonders beleuchten. Weiter betrachten wir die Pflege deiner Pelznase, erklären einiges zur Fütterung älterer Hunde und zeigen tolle Beschäftigungsideen auf.

Graue Schnauzen: Überlegungen vor der Adoption

Es ist eine intensive und besondere Erfahrung, einem Hunde-Opi oder einer Hunde-Oma ein Zuhause anzubieten. Eventuell möchte deine ältere Pelznase nicht gleich mit dir schmusen und spielen. Vielleicht kannst du mit ihm erst mal weder Sitz noch Platz üben. Und ganz sicher wirst du nicht erleben können, wie aus einem kleinen Wesen ein großer Weltentdecker wird – dein Hund hat bereits viele Lebensjahre und damit Erfahrungen hinter sich und gerade bei Hunden aus dem Tierschutz kennst du die Vergangenheit nun mal nicht. Wenn du dich also für eine graue Schnauze aus dem Tierschutz entscheidest, darfst du dich mit Fug und Recht als Abenteurer bezeichnen.

Vorgeschichten sind bei unseren pelzigen Freunden oft die Lösung für viele Probleme. Nur kann der Hunde-Senior schlecht selbst über Erlebtes sprechen und Tierheim- beziehungsweise Tierschutz-Mitarbeiter kennen die Hunde auch erst ab Ankunft. Dennoch: erfrage unbedingt, was die Tierschutzorganisation oder das Tierheim über den Hund zu berichten weiß – jede noch so kleine Information kann helfen, mit deinem Hunde-Senior umzugehen.

Du kannst nicht genau wissen, was mit der Adoption an Problemen und Herausforderungen auf dich zukommt – deshalb gehört es zu den absoluten Voraussetzungen, dass du dir felsenfest sicher bist, für jedes erdenkliche Problem bereit zu sein. Bereit sein heißt nicht, dass du aus dem Effeff eine Lösung parat haben musst. Bereit sein heißt viel mehr, deine graue Schnauze im Nachhinein immer noch vollumfänglich zu respektieren und sie genau so zu nehmen wie sie ist.

Bereit sein heißt auch, dass du dir, wenn nötig, professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer beziehungsweise Verhaltenstherapeuten holst. Dieser hilft dir, deinen Hunde-Senior einzuschätzen und gibt Tipps für den Umgang. Bei konkreten Problemstellungen leitet der Verhaltenstherapeut das Training an, nachdem nach umfangreicher Anamnese ein Trainingsplan erstellt wurde.

Hundeaugen zeigen, wenn eine Hundeseele älter wird.
Die Augen werden bei älteren Hunden schwächer.

Graue Schnauzen – an alles gedacht?

Dass alles richtig läuft, ist vor allem in der Anfangszeit von entscheidender Bedeutung, denn noch hat deine graue Schnauze kein Vertrauen zu dir entwickeln können. Wichtig bei Senioren ist außerdem die Frage, ob du für immer für ihn sorgen kannst. Im Alter treten nicht nur bei uns Menschen Zipperlein oder gar schlimme Krankheiten auf, sondern auch bei unseren vierbeinigen Freunden. Bist du darauf eingestellt, womöglich viel Geld beim Tierarzt zu lassen?

Apropos Geld: ist es dir möglich, für etwaige Hilfsmittel, zum Beispiel Autosteighilfen, aufzukommen? Kannst du damit umgehen, wenn dein neuer Mitbewohner Harn und Kot nicht mehr so lange halten kann wie ein jüngerer Hund? Und ist deine Familie überhaupt so strukturiert, dass ein Hunde-Opi beziehungsweise eine Hunde-Omi dort hineinpasst? – Ältere Pelznasen haben ein gesteigertes Ruhebedürfnis, und kleine Kinder, die gerne mal rumwirbeln, sorgen nicht gerade für einen ruhigen Lebensabend.

Ich finde deine Überlegung ganz beeindruckend, einer grauen Schnauze aus dem Tierschutz beziehungsweise Tierheim ein Zuhause geben zu wollen. Bitte sei sehr realistisch in deiner Selbsteinschätzung, denn ein Junghund mag einen gescheiterten Vermittlungsversuch sicher mehr oder minder gut verkraften. Für einen Senior jedoch ist das ein sehr herber Schlag.

Nicht nur finanzielle Kosten für die graue Schnauze

Bei älteren und alten Hunden entstehen dir nicht nur finanzielle Kosten. Hunde-Senioren kosten darüber hinaus auch viel Zeit. Denn Krankheiten können häufiger werden und die Altersschwächen, die auf betagte Hunde zukommen, benötigen ebenfalls Pflege. Hierbei können auch deine eigenen körperlichen Ressourcen eine Rolle spielen: bist du bereits jenseits der 70 Lebensjahre und hast selbst mit der Hüfte zu tun, wäre es nicht sonderlich vorteilhaft, wenn du dir einen 13-jährigen Bernhardiner holst, den du die vier Treppen bis zum Eingang hochtragen musst.

Nicht jeder Mensch kann es zudem verkraften, Abschied von einem geliebten Tier, von einem Familienmitglied, denn das sind unsere Pelznäschen doch für uns, zu nehmen. Dass dieser Abschied bei grauen Schnauzen näher liegt als bei Welpen, versteht sich – ein weiterer Punkt, der in deine Überlegungen einfließen sollte.

Es geht gemächlicher zu mit einem älteren Hund, dennoch ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen.
Es geht gemächlicher zu mit einem älteren Hund, dennoch ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen.

Die Gelassenheit einer grauen Schnauze

Du liest den Beitrag immer noch? Klasse, dann bist du offenbar bereit für einen Hunde-Senior aus dem Tierheim oder Tierschutz. Dann komme ich gerne zu den tollen Eigenschaften, um die du demnächst reicher wirst, da dein Seniorenhund sie sicherlich mit zu dir bringt: du verzichtest auf die Strapazen, die ein Welpe und Junghund ganz, ganz sicher mitbringt. Du hast das große Glück, direkt zum gemeinsamen Erleben als intensivste Zeit zu kommen. Dein Hunde-Opi oder deine Hunde-Omi begleitet dich deutlich unkomplizierter überall hin  und die Gelassenheit, die so ein alter Hund mitbringt, ist ansteckend und einfach nur schön!

Wenn dir in der Erziehung Fehler unterlaufen sollten, hat das nicht mehr so dramatische Auswirkungen wie das bei Junghunden der Fall sein kann. Ein alter Hund hat keine Ambitionen mehr, dich herauszufordern und Grenzen auszuloten. Es geht um das Miteinander bei einer grauen Schnauze. Ob der nachlassende Bewegungsdrang nun ein Vor- oder Nachteil ist, ist sicher sehr individuell, der anlehnungsbedürftige Schmuse-Charakter älterer Hunde haut jedenfalls die meisten Menschen vom Hocker.

Kuscheln: eine Lieblingsbeschäftigung alternder Hunde
Kuscheln: eine Lieblingsbeschäftigung alternder Hunde

Wie sind deine Erfahrungen mit alternden, älteren und alten Hunden? Erzähle uns und unseren LeserInnnen gerne in den Kommentaren davon!
Im nächsten Teil befassen wir uns mit der Erziehung und dem Umgang mit einer grauen Schnauze und wir werfen einen Blick auf Beschäftigungsmöglichkeiten.

 

Fotos:
Titelbild: Flickr – jenny downing
Artikelbilder:
Flickr – Dwayne Madden
Flickr – Bill Harrison
Photo by Maja Dumat – CC BY 2.0

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