Ratten als Haustiere

Hunde und Katzen sind die beliebtesten Haustiere. Doch auch die Ratte wird zunehmend beliebter: Die possierlichen Tierchen haben sich als tolle soziale Partner für Menschen erwiesen.

Ratten in Abhängigkeit von Menschen

In der Heimtierhaltung gilt es grundsätzlich zu bedenken, dass unsere Tiere abhängig von uns Menschen sind. Sie benötigen unsere Pflege und Aufmerksamkeit. Um den Tieren gerecht zu werden, muss man sich daher über die Bedürfnisse und Ansprüche des neuen Hausgenossen informieren.

Bei Ratten ist dies unter anderem die Tatsache, dass sie vorrangig abends aktiv werden. Suchen Sie ein Haustier für Ihr Kind, sollten Sie das bedenken. Gerade jüngere Kinder möchten sich natürlich vor allem nachmittags mit ihrem Tier beschäftigen. Hinzu kommt die relativ geringe Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren. Für Kinder kann es stark belastend sein, sich nicht genügend mit ihrem Tier beschäftigen zu können und womöglich schon früh Abschied nehmen zu müssen.

Eine intensive und täglich wiederkehrende Betreuung besonders in den Abendstunden ist für die niedlichen Nager extrem wichtig. Ratten artgerecht zu halten, sorgt für einen hohen Aufwand. Selbst der geräumigste Käfig reicht nicht aus, den Tierchen Gelegenheit zu geben, ihr Lauf- und Kletterbedürfnis auszuleben.

Sozialverhalten

Ratten haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Ihre Gruppenmitglieder erkennen sie am Geruch. Erkennen sie einen fremden Artgenossen mit einem ebenso fremden Geruch, wird dieser als Reviereindringling bekämpft.

Dem ausgeprägten Sozialverhalten der Tiere ist es zu verdanken, dass Ratten niemals allein gehalten werden dürfen. Ideal ist die Haltung von mindestens vier Tieren. Zu zweit gehalten, erinnert diese Haltungsform leider an eine Zwangsehe. Zu dritt gehalten, könnte es sein, dass eine der Ratten gemobbt wird oder eher außen vor ist. In der Natur leben sie in Rudeln und bilden eine feste Rangordnung. Deshalb kann es durchaus mal rund gehen im Rattenheim: Durch Rangkämpfe legen die Tierchen die Rangordnung fest, sie kann sich jedoch stets neu bilden.

Untereinander verständigen sich die schlauen Nager durch eine ausgeprägte Körpersprache, durch Duftsignale sowie durch hochfrequente Laute; überwiegend im Ultraschallbereich liegend und deshalb für unsere Ohren nicht hörbar.

Bei Tageslicht kann die Ratte nicht mit einem guten Sehvermögen überzeugen. Kein Wunder – als Nachttier liegen ihr eher die Schattenseiten. Gerade Albinos sind extrem lichtempfindlich, worauf in der Haltung Rücksicht zu nehmen ist.

Hervorragend ist jedoch der Geschmackssinn der Tiere. Um sich zu orientieren, verfügen Ratten über Tasthaare um die Nasen- und Mundöffnung, an den Pfoten sowie am Schwanz. Den Tag verschlafen viele Ratten und werden erst in der Dämmerung bzw. zur Nacht richtig aktiv. Mit ihrem Wach-Ruhe-Rhythmus von etwa 2 – 4 Stunden kann man sie allerdings gelegentlich auch tagsüber antreffen.

Welche Ansprüche stellen Ratten an Halter?

Eine Rattengruppe kann aus gleichgeschlechtlichen Tieren bestehen oder aber aus kastrierten Männchen und Weibchen. Die bewegungsaktiven, kletterfreudigen und neugierigen Tiere brauchen ein Platzangebot von mindestens 100 x 60 x 180 cm (L x B x T) bei vier Ratten. Achtung: Hierbei handelt es sich um das Mindestmaß! In so einem kleinen Käfig können Ratten ihrem starken Bewegungsdrang kaum nachkommen, deshalb ist größer immer besser.

Das Ratten-Heim sollte mehrere Etagen besitzen, damit die Tiere ordentlich klettern können. Leider gibt es das perfekte Ratten-Zuhause im Handel nicht. Große Volieren oder selbstgebaute Käfige werden häufig genutzt.

Dabei gilt es zu beachten, dass der Gitterabstand maximal 1,5 cm betragen sollte. Gibt es Jungtiere, liegt die Grenze sogar bei 1 cm. Die Etagen überlappen einander idealerweise, um Abstürze von höheren Etagen in die Tiefe zu vermeiden. Die Etagen sollten so hoch sein, dass sich eine Ratte problemlos aufrichten kann.

Die Etagen sowie die restliche Einrichtung sollten aus unbehandelten Naturmaterialien bestehen. Die Ratten müssen Möglichkeiten zum Verstecken, Klettern, Schlafen, Spielen und Nagen haben. Zweckdienlich sind auch Tonröhren und Wurzeln. Handtücher, Küchenpapier oder staubarmes Heu eignen sich zum Auspolstern.

Ratten nutzen ganz gerne Toiletten, die man ihnen als Schale oder Keramiktopf anbieten kann. Gefüllt mit Chinchillasand, staubarmer Streu oder Holzpellets werden Ihre Ratten ihre Toilette sicher gerne annehmen.

Täglicher Freilauf ist Pflicht

Selbst der größte und bestmöglich eingerichtete Käfig wird dem Bewegungs- und Erkundungsdrang der Ratten nicht gerecht. Deshalb brauchen Ratten unbedingt täglich mehrere Stunden Auslauf. Das Zimmer muss jedoch rattensicher sein: Möbel, Bücher, Kabel, (giftige) Pflanzen und locker stehende Deko werden von den Nagern nicht verschont.

In den Abend- und Morgenstunden liegen die Hauptaktivitätsphasen der Tiere. Deshalb sollten Freilauf und Zuwendung zu diesen Zeiten erfolgen. Sind Ratten zutraulich, können sie sehr verschmust werden und Körperkontakt zum Halter suchen.

Die Ernährung von Heimtierratten

Wenngleich die Nager Gemischtköstler sind, ernähren sie sich überwiegend vegetarisch. In der Natur nimmt eine Ratte rund 12 Mahlzeiten am Tag auf – den Großteil davon während der Dämmerung sowie nachts. Deshalb macht es Sinn, kleinere Mahlzeiten häufiger über den Tag verteilt anzubieten.

Trockenfuttermischungen bestehen aus unterschiedlichen Körnern, Flocken, Nüssen sowie ölhaltigen Sämereien. Hinzu kommen diverse Obstsorten, frisches Grünzeug und Gemüse. Ratten verschmähen jedoch auch tierische Eiweiße nicht: Hier ein Mehlwurm, da ein Stück hart gekochtes Ei – das darf schon sein. Ratten neigen dazu, zügig dick zu werden, wenn man ihnen zu viel Leckereien anbietet. Dazu zählen etwa ungesalzene gekochte Nudeln, Kartoffeln oder Reis.

Da die Schneidezähne der Tierchen ständig nachwachsen, müssen sie auch abgenutzt werden. Hierfür bieten sich ungespritzte Zweige verschiedener Obstbäume an, aber auch Weiden oder Buchen.

 

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