Seelen in Not – Hunde aus dem Tierschutz

Warum einen „Problemhund“ aufnehmen, wenn es einfacher ist, sich seinen Traumwelpen bei einem Züchter zu kaufen? Ein Welpe kann den eigenen Gewohnheiten angepasst werden, wird im Idealfall keine Erziehungsdefizite aufweisen und alltagstauglich sein. Meist fällt hier die Wahl auf professionelle Züchter, die ihre Tiere gut behandeln und oftmals deren Lebensweg weiterverfolgen. Insbesondere für Ersthundehalter macht der Welpe vom Züchter Sinn. Vergessen wird dabei jedoch: Jedes neugeborene Tier vom Züchter nimmt einem Tierschutzhund, der bereits auf der Welt ist, die Chance auf ein liebevolles Zuhause.

Tierschutzvereine, Tierheime und Tierschutzhöfe

In Tierheimen warten viele Hunde verschiedenen Temperaments und unterschiedlichen Alters, mannigfaltige Rassen und Mischungen auf ein neues Leben. Sie alle haben eine traurige Vergangenheit und einige von ihnen haben zumindest einmal eine Beziehung zu einem Menschen aufgebaut, die sie nicht aus eigenem Antrieb abbrachen: Sie wurden abgegeben, ausgesetzt, „verboten“ oder aus schlechter Haltung gerettet. Manche haben als Zuchthündinnen oder als Laborhunde ausgedient.

Jede dieser Hundeseelen hat eine eigene Geschichte und physische oder psychische Verletzungen besser oder schlechter verkraftet. Aber keines dieser Tiere kann selbst etwas dafür, dass es kein Zuhause mehr hat!

Es gibt auch Hunde, die den Tierheimaufenthalt nicht gut verkraften. Sie entwickeln Depressionen oder Verhaltensstörungen wie Stereotypien, die wiederum auf traumatischen Erfahrungen aus ihren vorigen Leben basieren können – aber nicht müssen. Daher verfügen einige Tierheime über Therapie- und Sozialisierungsprogramme, um die Vermittlungschancen schwerer Fälle zu erhöhen – leider sind solche Programme aufgrund mangelnder Finanzen eine Seltenheit.

Übrigens, schwer vermittelbaren Tieren können gerade hundeerfahrene Menschen durch ihre bereits vorhandenen Kenntnisse helfen. Sie können den Hund beispielsweise gezielt nach seiner Veranlagung einsetzen oder haben besondere Wohnsituationen (Bauernhof, großer Garten) zu bieten.

Neben den bekannten Tierheimen gibt es viele Tierschutzvereine, die zusammen mit Tierschutzhöfen und privaten Tierschützern Hundeseelen in Not aufnehmen und vermitteln. Wenn es die finanzielle und personelle Situation des Vereins erlaubt, lernen hier besonders Tiere mit schweren traumatischen Erfahrungen einen Alltag kennen und zu bewältigen: Das Sozialverhalten von und mit anderen Hunden, gegebenenfalls den Kontakt zu anderen Tierarten wie Katzen, an der Leine gehen oder alleine bleiben. Wenn genügend Helfer vorhanden sind, gehen die Menschen hier auf jeden einzelnen Hund ein und arbeiten mit ihm an seinen Problemen.

Stadttraining mit den Tierschutz-Hündinnen Mogli & Foxy.
Stadttraining mit den Tierschutz-Hündinnen Mogli & Leonie.

Auch gibt es immer mehr Organisationen, die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland retten: Allein in acht EU-Ländern werden sogenannte „Streuner“ entweder auf offener Straße getötet oder von Hundefängern eingesammelt, die sie in einem geschlossenen Transporter zu Tötungsstationen transportieren. Die geretteten Hunde haben bisher sicher keine Liebe erfahren und mussten sich ihr Futter in Abfällen suchen oder erjagen. Viele haben keinen näheren oder schlechten Kontakt zu Menschen gepflegt und Angst vor ihnen. Gleichzeitig sind viele von ihnen gut mit anderen Hunden sozialisiert, da das Leben in einer Gemeinschaft ihre Überlebenschancen auf der Straße erhöhte.

Der Tierschutzhund – anders als ein Züchterhund?

Je nachdem, wie viel Schlimmes die einzelne Hundeseele durchmachen musste, kann ein Hund misstrauisch, nervös, überängstlich oder aggressiv gegenüber Artgenossen oder Menschen sein. Er kann auffällige Verhaltensmuster aufweisen wie Ressourcenverteidigung, Trennungsstress oder Jagdverhalten. Selbstverständlich ist dies eine Herausforderung, doch all diese „Folgeerscheinungen“ ihrer Vergangenheit sind mit positivem Training, viel Liebe und Geduld in alltagstaugliche Bahnen zu lenken.

Auch die Unterstützung eines Hundetrainers kann Wunder wirken: Der Hundetrainer klärt dich über die individuellen Bedürfnisse deiner Fellnase auf, schult dich im Erkennen von Stresssignalen und erarbeitet für einen Trainingsplan, mit dem du den Hund vorsichtig in unsere Welt integrierst.

Die meisten Hunde aus dem Tierschutz sind kastriert, häufig sind sie auch schon stubenrein. Geschieht doch ein kleines Malheur in den Wohnräumen: Nicht verzagen, selbst ältere Hunde können dies noch lernen. Und Hunde sind sehr anpassungsfähig! Wie ein Welpe vom Züchter braucht dein Tierschutzhund seine Eingewöhnungszeit. Schenke ihm diese, die richtige Pflege, Verständnis und Liebe, wird dein Schützling zum wundervollen Begleiter. Und er wird dich nahezu täglich mit neuen positiven Entwicklungen überraschen.

Innige Beziehung zu einem Tierschutzhund: Die Fellnase stammt aus Griechenland.
Innige Beziehung zu einem Tierschutzhund: Die Fellnase stammt aus Griechenland.

Wir sollten das wieder ausgleichen, was den armen Seelen andere Menschen in der Vergangenheit angetan haben!

Du möchtest einem Tierschutzhund ein neues Leben ermöglichen? Dann folge uns in unserer Reihe „Hunde aus dem Tierschutz“. Lerne, worauf du achten solltest und wie du mit auftretenden Problemen umgehen kannst. Hast du bereits Erfahrungen mit Tierschutz-Hunden? Dann her damit – ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Fotos:
Titelbild: © Phils Photography – Fotolia.com
Beitragsbilder: © Bianca Wellbrock

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