Unsauberkeit bei der Katze

Hinterlässt die Katze Pfützen im Haus, beginnt das große Rätselraten: Warum macht sie das? Ist sie womöglich krank? Gestresst? Frustriert? Protestpinkler? Wir machen uns auf Spurensuche.

Pinkeln ist nicht gleich pinkeln

Mit einer Studie versuchte man im Mai 2018, den Ursachen von Unreinheit (Periurie) bei Stubentigern auf den Grund zu kommen. Diese Tierhalterumfrage zeigt eines sehr deutlich: Ganz, ganz selten liegt nur ein einzelner Auslöser für die Unsauberkeit der Katze vor. Häufig ist es viel komplexer.

Insgesamt wurden 245 Fragebögen ausgewertet. Darin berichtet etwa die Hälfte der Katzenhalter von unsauberen Katzen. Wieder ein Drittel davon berichtete vom “Markieren”, zwei Drittel vom “Urinieren” – eine Unterscheidung, die nicht immer ganz einfach ist. Den Machern der Studie gelang es durch diese Umfrage, auffällige Risikofaktoren für Unsauberkeit zu definieren:

  • Alter: Oft waren markierende Katzen älter als die Tiere der anderen beiden Gruppen.
  • Mehrkatzenhaushalte: Tiere in Mehrkatzenhaushalten urinierten/ markierten häufiger.
  • Freigang: Ein unbegrenzter Freigang sowie Katzenklappen verführen zum häufigeren Markieren.
  • Freigang allgemein: Freigang jedoch führt allgemein zu weniger Problemen mit Unsauberkeit.
  • Tierhalter: Zeigen die Tiere eine sehr enge Bindung/ Abhängigkeit vom Halter, tritt das Urinieren seltener auf.
  • Entspanntes Naturell: Waren die Katzen vom Typ her einfach entspannt, zeigten sie geringeres Markierverhalten.

Man unterschied zwischen Markieren und Urinieren mithilfe der Merkmale “Verscharren” und “Körperhaltung beim Harnabsatz”. Weniger aussagekräftig waren die abgesetzte Harnmenge (auch markierende Katzen können ganze Pfützen produzieren) und die Wahl der Fläche (senkrecht oder waagerecht).

Unsauberkeit ist ein komplexes Thema

Lag nur einer der Risikofaktoren für Unsauberkeit bei der Katze vor, zeigte sich dieser nicht als verlässlicher Indikator für eine mögliche Diagnose. Das soziale Umfeld des Tieres insgesamt erschien deutlich relevanter. Hier spielen diverse Aspekte hinein:

  • Anzahl der Katzen/ Tiere im Haushalt
  • Bindung an den Tierhalter
  • Naturell der Katze
  • Vorhandensein von Katzenklappen

Beim Betrachten dieser Faktoren wird deutlich, dass sie alle im Stress münden können.

Stress und Frust liegen dicht beieinander

Bei uns Menschen ist Stress längst zur Zivilisationskrankheit geworden. Haben wir Stress in der Arbeit, sind wir frustriert, weil unser Privatleben leidet. Stresst uns unsere Beziehung, sind wir frustriert, weil sie nicht so funktioniert wie vielleicht erwartet. Stress und Frust – diese beiden negativen Emotionen gehören zusammen.

Unsere Katzen sind davor leider auch nicht gefeit. Während wir jedoch im besten Falle durch Kommunikation auf unseren Stress und Frust aufmerksam machen können, haben unsere pelzigen Mitbewohner diese Möglichkeit nicht. Also suchen sie sich andere Ventile – Aggressionen beispielsweise, oder eben die Unsauberkeit.

Das Problem an der Sache: Passiert es öfter, dass die Hinterlassenschaften nicht auf dem Katzenklo, sondern beispielsweise am Sofa landen, gewöhnt sich Mieze schnell daran. Wenngleich Katzen sehr, sehr saubere Tiere sind, wird die neue “Toilette” schnell als normal empfunden. Das Problem kann sich verschlimmern – neben dem Sofa sind vielleicht auch bald Teppiche oder Vorhänge die nächsten “Pinkel-Opfer”.

Es gilt also, zügig zu handeln, um dem Problem beizukommen. Dazu muss jedoch erst mal analysiert werden.

Markierende Katzen sind nicht unsauber

Das Harnmarkieren meist unkastrierter Kater oder Katzen hat nichts mit Unsauberkeit zu tun. Auch wenn Katzen ausschließlich während der Rolligkeit “unsauber” werden, meint dies nicht die klassische “Unsauberkeit”.

Auch ein reges Markierverhalten möchte natürlich in den Griff bekommen werden, in diesem Beitrag widmen wir uns jedoch gezielt dem Thema Unsauberkeit.

Mögliche Ursachen für die Unsauberkeit der Katze

Wie schon die eingangs beschriebene Halterumfrage zeigt, ist Unsauberkeit ein komplexes Thema. Mögliche Gründe können sein:

  • Alter: Älteren Stubentigern kann es passieren, dass sie schlicht vergessen haben, wo sich ihr Klo befindet. Oder sie konnten es nicht rechtzeitig erreichen; der Blasendruck kam zu plötzlich. Womöglich gibt es auch ein bisher unerkanntes Nierenleiden, eine Blasenentzündung oder ähnliche Erkrankungen (dies trifft natürlich nicht nur auf ältere Katzen zu!).
  • Falsches Katzenklo: Katzen sind anspruchsvoll und individuell, wenn es ums stille Örtchen geht. Nicht jede Katze setzt sich in ein Haubenklo. Solche Haubentoiletten schirmen zwar Gerüche nach außen hin ab, im Inneren des Klos sieht (bzw. riecht) es jedoch anders aus. Viele Katzen sind auch schlichtweg zu groß für Haubentoiletten – ein stattlicher Main Coon könnte sich in den meisten Modellen nur schwerlich umdrehen oder genüsslich scharren. Katzen sind als Raubtiere zudem die geborenen Beobachter. Das funktioniert nicht, wenn eine Haube den Blick abschirmt. Beobachten Sie Ihr Tier: Nutzt Mieze hauptsächlich freie Flächen fürs Geschäftchen, möchte sie selbiges ohne Sichtschutz erledigen. Andersrum kann es auch passieren, dass Katzen die aktuelle haubenfreie Toilette zu offen ist. Dann sucht sie häufig einen Sichtschutz und wählt als Pinkelplatz die Stelle unterm Schrank oder hinter der Tür. Probieren Sie bei solchen Katzen gerne mal ein Haubenklo aus.
  • Weitere Klo-Faktoren: Eine Faustregel besagt, dass immer eine Toilette mehr im Haus sein sollte, als es Katzen gibt. Das hat einen einfachen Hintergrund: In freier Natur trennen Katzen ihr großes vom kleinen Geschäft. Sie urinieren erst hierhin und suchen sich dann einen optimalen Platz für den Kotabsatz – weit weg von der Urinstelle. Bieten Sie Ihrer Einzelkatze also zwei Klos an, ihrem Katzenpärchen mindestens drei Toiletten. Auch der Standort der Katzentoilette ist wichtig. Vielfach werden das oder die Klos nahe der Futterstelle aufgestellt. Möchten Sie neben Ihrer Toilette speisen? Katzen geht es nicht anders. Stellen Sie die Futterstelle und die Toiletten idealerweise in verschiedene Räume, mindestens aber einige Meter auseinander.
  • Katzenstreu: So bunt und vielfältig der Markt an Katzenstreu ist, so weit gehen auch die Vorlieben einzelner Tiere auseinander. In der Natur pinkeln Katzen gerne auf sandigen, weichen Untergründen, da sie im Anschluss gut scharren können. Diese Erkenntnis lässt sich prima aufs Katzenklo übertragen: Wählen Sie eine möglichst weiche Katzenstreu. Es gibt jedoch auch Fellnasen, die härtere Streu bevorzugen – schlicht aus individueller Vorliebe. Gehört Ihre Mieze zu diesen Individuen, gönnen Sie ihr selbstverständlich die härtere Katzenstreu.
  • Fehlverknüpfungen: Hatte die Katze während oder nach einer Erkrankung womöglich Schmerzen beim Wasserlassen oder Kotabsatz, könnte sie das mit der Katzentoilette verknüpft haben. Dann ist diese Toilette quasi “verbrannt”; es lohnt sich, in eine neue zu investieren.
  • Veränderungen: Katzen sind absolute Gewohnheitstiere – Routine gibt ihnen Sicherheit. Gibt es Veränderungen in ihrem gewohnten Umfeld (etwa der Einzug eines Artgenossen, Nachwuchs bei den Haltern oder auch nur ein umgestellter Tisch), reagieren Katzen oft mit Stress. Um darauf aufmerksam zu machen, verlassen auch sie gewohnte Muster – und können plötzlich unsauber werden.
  • Krankheit: Es können immer Krankheiten hinter der Unsauberkeit stecken. Ihre erste Maßnahme sollte deshalb sein, mit Ihrer Katze beim Tierarzt vorstellig zu werden, um körperliche Ursachen auszuschließen oder sie entsprechend zu behandeln.

Reinigung nicht außer Acht lassen

Katzen graben zwar gerne in ihrer Toilette, jedoch nur ungern in ihren Hinterlassenschaften – wer kann es ihnen verdenken. Deshalb: Holen Sie bitte mehrmals täglich den Kot und die Urinklumpen aus den Toiletten Ihrer Katze. Sinnvoll ist es, eine Reinigung auf den Morgen, die andere auf den Abend zu legen. So wirken die Toiletten wieder “wie neu” und können vom Stubentiger erobert werden.

Mit der Zeit entstehen auch an der Klowanne selbst Verunreinigungen. Fallen Ihnen Verklebungen auf, sollte die Toilette gereinigt werden. Dafür genügen heißes Wasser und Neutralreiniger. Verzichten Sie bitte auf geruchsintensive oder scharfe Reiniger, denn diese könnten dafür sorgen, dass die Katze ihre Toilette nun erst recht meidet. Zu unangenehm sind diese Gerüche für die feine Katzennase.

Unsauberkeitsproblem gelöst?

Mit den oben stehenden Erste-Hilfe-Tipps haben Sie das Problem der Unsauberkeit vielleicht schon gelöst. Übrigens: Mit unseren Toiletten-Tipps lässt sich der Unsauberkeit auch prima vorbeugen. Auch wenn Ihre Katze also bislang nicht auffällig geworden ist, können Sie die Toilettensituation womöglich noch optimieren, um Ihre Fellnase noch glücklicher zu machen.

Konnten Sie die Unsauberkeit Ihrer Katze mit unseren Tipps nicht beheben? Suchen Sie sich bitte schnell Hilfe! Denn Katzen pinkeln weder aus Protest oder um uns zu ärgern außerhalb des Katzenklos. Sie möchten damit zum Ausdruck bringen, dass etwas in ihrer Umgebung nicht stimmt – es können Ängste genauso dahinter stecken wie andere emotionale Schwierigkeiten.

Es gibt verschiedene weitere Möglichkeiten, Ihrer Katze freundlich und verständlich klarzumachen, dass die von ihr auserkorenen Plätze nicht zum Urinieren oder Koten geeignet sind. Ein Katzenverhaltensberater unterstützt hier wertvoll!

 

Fotos: 
© Bianca Wellbrock

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