Verhalten von Kaninchen: Und sie sprechen doch!

Kaninchen sind relativ stille Tiere – und doch sprechen sie unaufhörlich. Dafür nutzen sie ihre Kaninchensprache, die vorrangig körperlich abläuft. Auch die wenigen Laute, die sie von sich geben, und verschiedene Aktivitäten machen das Kaninchenverhalten aus. Was die possierlichen Tierchen ihren Haltern oder Artgenossen mit ihrer Körpersprache sagen möchten, erfahren Sie heute.

Die Körpersprache von Kaninchen

Ohren, Augen, Schwänzchen und Mund: Der ganze Körper eines Kaninchens spricht mit uns. Schauen wir uns das im Detail an.

Die Ohrenstellung

Leider können Schlappohr-Kaninchen dieses Kommunikationsmittel nicht verwenden; sie können ihre Löffelchen nur sehr eingeschränkt bewegen. Bei Tieren mit Stehohren jedoch sagen die Löffel eine Menge aus:

  • Ohren aufgestellt: Dies ist die Normalhaltung der Kaninchenohren.
  • Ohren angelegt: Legen die Tierchen ihre Ohren an, zeigen sie, dass sie völlig entspannt sind. Durch das Anlegen ihrer Ohren beweisen sie, dass sie ihrer Umgebung vertrauen, denn sie sind nicht so aufmerksam wie mit stehenden Ohren. Oft sind diese angelegten Ohren beim Dösen oder im Schlaf zu beobachten. Achtung: Auch bei Angst sind die Ohren angelegt. Bitte beachten Sie die restliche Körpersprache: Zeigt das Tier weit aufgerissene Augen und drückt es seinen Körper womöglich flach auf den Boden, hat es große Angst.
  • Ohren in Bewegung: Um Geräusche besser wahrnehmen zu können und beispielsweise zu wissen, von wo Gefahr droht, können Kaninchen ihre Öhrchen flexibel in sämtliche Richtungen drehen. Man kann als Mensch schön beobachten, wo die Aufmerksamkeit des Tiers gerade liegt, denn die Ohren sind in die entsprechende Richtung gedreht.
  • Ohren nach vorne gekippt: Auch hier geht es wieder um Aufmerksamkeit. Hat das Kaninchen etwas entdeckt, das es interessiert, wendet es sich dem Objekt mit nach vorn gekippten Ohren zu.

Die Augen

Ein völlig normales Verhalten zeigt ein Kaninchen mit klarem Blick und offenen, jedoch nicht aufgerissenen Augen. Sie sind entspannt und schauen ganz normal in die Welt. Große Angst hingegen drückt sich in weit aufgerissenen Augen aus. Fallen Kaninchen, etwa weil sie hochgenommen werden, in die Angststarre, sind diese weit aufgerissenen Augen oft zu sehen.

Die Nickhaut, das dritte Augenlid, ist bei einigen Tieren rassebedingt immer zu sehen, etwa beim Deutschen Riesen. Die Nickhaut kann sich einfach mal so zeigen, ohne dass es Anlass zur Sorge gibt. Manchmal jedoch drückt eine vorgeschobene Nickhaut auch aus, dass etwas nicht stimmt, das Kaninchen fühlt sich unwohl. Hier gilt es wieder, die restliche Körpersprache des Kaninchens zu betrachten und dann erst Schlüsse zu ziehen.

Auch für geschlossene Augen kann es mehrere Gründe geben. Am schönsten ist es, wenn das Kaninchen entspannt vor sich hin döst und die Augen etwas oder sogar ganz schließt (Kaninchen schlafen für gewöhnlich mit geöffneten Augen). Womöglich stören aber auch Sonneneinstrahlung oder starker Wind das Kaninchen, welches als Reaktion die Augen schließt. Wird jedoch nur eines der Augen immer mal wieder oder kontinuierlich zugekniffen, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen. Es könnten sich Fremdkörper im Auge befinden oder eine andere Erkrankung vorliegen.

Die Blume

Beim Schwänzchen des Kaninchens spricht man auch von der Blume. Dieser Körperteil dient der Balance, ist jedoch auch Stimmungsbarometer. Ist das Tierchen entspannt, sitzt die Blume locker am Hinterteil. Schlafende Tiere hingegen strecken ihre Hinterbeine und ihren Schwanz oft weg.

Ist das Kaninchen aufgeregt, so stellt es das Schwänzchen auf. Dafür kann es unterschiedliche Gründe haben: Umwerben Kaninchen einander, sind sie in Angriffsstellung oder zeigen sie Unsicherheiten, heben sie beispielsweise den Schwanz an.

Wackelt das Kaninchen mit der Blume, zeigt dies Aufregung an. Das kann positive wie negative Erregung sein: Gibt es Futter oder andere Gründe, lässt der Hoppler seine Blume wackeln. Ist die Blume jedoch am Rücken hochgezogen, deutet dies auf deutlich höhere Aufregung hin.

Der Mund

Zeigt das Tierchen Zunge und schleckt sich ab, betreibt es Körperpflege. Auch wenn das Kaninchen gerade etwas gefressen hat, kann es passieren, dass es sich den Mund schleckt. Beobachten Sie dies jedoch häufiger, wenden Sie sich bitte an einen Tierarzt. Denn womöglich zeigen sich so auch Zahnprobleme.

Durch Schlecken zeigt das Kaninchen auch seine Zuneigung an: Schleckt es einen Artgenossen oder die Menschenhand ab, darf man sich glücklich schätzen! Gähnende Kaninchen können damit anzeigen, dass sie müde sind. Sie gähnen jedoch auch, wenn sie eine neue Aktivität aufnehmen. Weiter kann das Gähnen eine sogenannte Übersprunghandlung sein. Ist das Kaninchen beispielsweise unschlüssig, ob es flüchten oder bleiben soll, gähnt es zur Überbrückung und entscheidet sich dann.

Kaninchenverhalten richtig deuten

Kaninchen können Verhalten zeigen, das uns die Fragezeichen auf die Stirn bringt. Das Ausreißen von Haaren gehört etwa dazu. Oft rupfen sich scheinträchtige oder tatsächlich trächtige Tiere die Haare aus – dies dient dem Nestbau. Da die Haarpracht durch den Stress ohnehin locker sitzt, tut das dem Tierchen auch nicht weh. Behalten Sie dennoch einen Blick auf dieses Verhalten, denn es kann auch für Verhaltensstörungen sprechen. Geht das Rupfen in Selbstverstümmelung über oder werden Partner solange geputzt, bis ihnen das Fell ausgeht, handelt es sich um Verhaltensstörungen, die behandelt gehören.

Nicht selten zeigen Kaninchen auch Aggressionen in verschiedene Richtungen (Gegenstände, Artgenossen, etc.). Bei dominanten Tieren ist klar, wohin die Reise geht: Sie möchten innerhalb der Rangordnung klarmachen, dass sie der Boss sind. Halten sich die Jagereien und Beißereien in einem normalen Rahmen, brauchen Halter nicht einzugreifen. Werden jedoch Kaninchen extrem “gemobbt”, kommt es zu gröberen Verletzungen, so muss der Halter eingreifen.

Aggressionen können auch zum Verteidigen des Reviers auftreten. Doch auch ungünstige Haltungsbedingungen sowie Krankheiten fördern aggressives Verhalten.

Kann sich ein Kaninchen nicht in der Flucht retten, sondern ist einer Situation gänzlich ausgeliefert, so drückt es sich ausgestreckt auf den Bauch. Weit aufgerissene Augen zeigen, wie groß die Angst in solchen Situationen ist.

Für Menschen eher nicht so lecker

Tiere haben für gewöhnlich eine andere Sichtweise auf ihre Hinterlassenschaften als wir Menschen. Das gilt auch für Kaninchen. Wie Kaninchen ihren Urin verspritzen, hat sicher jeder Halter schon mal beobachtet. Dies dient dem Markieren der Umgebung. Gerade bei unkastrierten Rammlern sieht man dieses Verhalten häufig. Es kann jedoch ebenfalls zum Spritzen mit Urin kommen, wenn sich das Kaninchen unwohl fühlt.

Kaninchen scheiden neben gängigen Hartkot auch sogenannten Blinddarmkot aus. Hier kann man das Kotfressen direkt vom After beobachten. Dieser Kot enthält lebenswichtige Vitamine.

Kleiner Ausflug in die Sprache der Kaninchen

Kaninchen putzen sich, sie können Haken schlagen, fressen ihren Kot und Aggressionen gehören zu diesen possierlichen Tierchen dazu. Was Kaninchen brauchen, sind Menschen, die sie verstehen – und das richtige Deuten ihrer Körpersprache und Eigenheiten gehört unbedingt dazu.

Wir hoffen, unser kleiner Ausflug in die Körpersprache der Tierchen hat Ihnen gefallen. Möchten Sie mehr über die Hoppler erfahren, haben wir noch zwei Leseempfehlungen für Sie:

 

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