Welpe oder erwachsener Hund – welcher ist der passende?

Nachdem du dich mit der Auswahl des richtigen Tierschutzvereins befasst hast, stellt sich die Frage: soll der pelzige Mitbewohner ein Welpe oder ein erwachsener Hund sein? Beide können viel Freude in dein Leben bringen, aber jeder hat seine speziellen Bedürfnisse.

Der Welpe als neuer Gefährte

Er bringt viel Leben in das neue Heim. Noch nicht lange auf Erden, möchte der Winzling die ganze Welt erkunden. Du darfst ihn dabei begleiten und das Pelznäschen verantwortungsvoll in dein Leben eingliedern. Er lässt dich an seiner (hoffentlich) unbekümmerten Lebensfreude teilhaben und es ist schön, ihn aufwachsen zu sehen. Soweit die positiven Seiten.

Aber ein Welpe benötigt auch deine volle und ständige Aufmerksamkeit. Seine Konzentration lässt schnell nach. Das Objekt seines Interesses ändert sich in Sekundenschnelle. Auch der Wechsel zwischen Tiefschlaf, ausgelassener Fröhlichkeit und Übermut verläuft rasant. Setzt der Spieltrieb ein, sind insbesondere Kinder schnell überfordert: der Kleine verfügt noch über keine Beißhemmung und bindet vergnügt das Zwicken mit wirklich spitzen Zähnchen in sein Spiel ein.

Das Kaubedürfnis verstärkt sich, wenn der Zahnwechsel kommt. Dann wird auf den Händen herumgekaut oder sich kurzerhand Ihr Lieblingskissen geschnappt. Zeige deinem Welpen geduldig, dass nicht alles zum Herumbeißen gedacht ist.

Was heißt denn bitte „Beißhemmung“?

Der Begriff „Beißhemmung“ geht auf den österreichischen Zoologen & Verhaltensforscher Konrad Lorenz zurück. In seinem 1949 erstmals publizierten Werk „Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“ erwähnte er das Konzept der Beißhemmung: mithilfe dieses Schutzmechanismus‘ wird ein unterlegenes Individuum von Artgenossen nicht lebensgefährlich verletzt, sondern es kann seine Unterlegenheit mithilfe von Demutsgesten demonstrieren. Die Beißhemmung beschreibt also die Fähigkeit, die Beißintensität zu kontrollieren. Welpen lernen dies idealerweise spielerisch von ihrer Mutter und mit ihren Geschwistern.

Zurück zum Welpen

Welpen kommen auch nicht stubenrein auf die Welt. Sie müssen üben, ihre Blase zu kontrollieren. Spontane nächtliche Gassigänge sind in dieser Zeit unumgänglich. Ob du dich nochmals hinlegen kannst, entscheidet dein kleiner Mitbewohner. Nicht selten fällt die Wahl danach auf Spiel, Spaß und Erkundungstouren – da dein Welpe jedoch noch die Welt entdeckt, sollten diese nächtlichen fünf Minuten nicht allzu viel Schlaf rauben.

Aus gesundheitlichen Gründen darfst du mit deinem Welpen nur kleinere, dafür aber häufigere Spaziergänge durchführen. Dabei lernt der Welpe mit deiner Hilfe, an der Leine zu gehen – wenn er denn geht. Denn: Welpen müssen zunächst eine Ortsbindung aufbauen.

Viele Welpenhalter wundern sich, warum sich der Stöpsel einfach hinsetzt und guckt – dieses Verhalten dient der Ortsbindung und ist immens wichtig für deinen Liebling. Wann diese „Glotz-Phase“ endet, ist sehr individuell – hab Geduld und dränge deinen Liebling nicht zum Weiterlaufen. Die Leine betrachtet der Kleine anfänglich als weiteres Spielobjekt, an dem man herumzerren kann.

Gassi-stehen statt Gassi-gehen: Mogli baut die Ortsbindung auf. (© Bianca Wellbrock I Gespürnase)
Gassi-stehen statt Gassi-gehen: Mogli baut die Ortsbindung auf. (© Bianca Wellbrock I Gespürnase)

Auch muss das kleine Fellbündel in der Prägungs- und Sozialisierungszeit mit deiner Hilfe lernen, auf Menschen, andere Hunde und auf sein Umfeld gelassen zu reagieren. Falls du als Hundeanfänger die lebenslange Verantwortung für einen Welpen übernehmen möchtest, ist es empfehlenswert, sich mit der hündischen Kommunikation, beispielsweise den Beschwichtigungssignalen, zu befassen. Du wirst deinen kleinen Zwerg damit besser verstehen.

Lesetipp: Warum Sozialisierungs- und Prägungsphase so wichtig sind und was dabei geschieht, erfährst du in Sabine Brenners Blog „Animagi Whippets“.

Der erwachsene Hund

Gibst du einem erwachsenen Hund eine neue Chance, hat dieser womöglich keine schöne Vergangenheit und Verhaltensprobleme entwickelt. Doch mit einem guten, positiv arbeitenden Hundetrainer lässt sich dies meistern und die Fellnase hat oftmals die Chance, sich zu einem wunderbaren Gefährten zu entwickeln. Vielfach suchen erwachsene Hunde auch einfach ein Kuschelkörbchen – trotz etwaiger schlechter Erfahrungen sind sie wahre Schätze.

Ältere Hunde aus dem Tierschutz

Möchtest du einem älteren Hund eine Chance geben, sollte dir bewusst sein, dass Alterserscheinungen ähnlich wie bei alternden Mensch vorkommen können. Der Vorgang der Alterung beginnt je nach Rasse bei sechs bis neun Jahren. Der Senior-Hund benötigt nun engeren Kontakt zu dir, seine physische und geistige Leistungsfähigkeit lässt nach und altersbedingte Erkrankungen werden häufiger: Arthrose an den Gelenken, Diabetes mellitus, Schilddrüsen- und Tumorerkrankungen können auftreten.

Herz und Kreislauf spielen womöglich nicht mehr richtig mit, er hört und sieht schlechter, ergraut und wird vergesslicher. Achtest du auf die Ernährung deiner grauen Schnauze, auf frische und naturreine Nahrung, die alle wichtigen Stoffe enthält und auf alternde Hunde abgestimmt ist, kannst du dem Alterungsprozess entgegenwirken. Achte auch auf altersgerechte Auslastung – insbesondere auf geistige Auslastung. Clickertraining ist beispielsweise eine hervorragende Beschäftigung.

Tollster Senior der Welt: Ted zählt mit seinen 12 Jahren zwar zum alten Eisen, ist aber noch so richtig Hund! (© Bianca Wellbrock I Gespürnase)
Tollster Senior der Welt: Ted zählt mit seinen knapp 12 Jahren zwar zum alten Eisen und die Zipperlein werden mehr, aber die graue Schnauze ist lebensfroh und glücklich! (© Bianca Wellbrock)

Ältere Hunde sind oftmals (je nach Vergangenheit) unkomplizierter, ruhiger und gelassener. Trotz ihres Alters haben sie noch Freude am Spiel und sind dankbar für jede Streicheleinheit und Fürsorge. Jeder Tag in deinem liebevollen Zuhause ist für einen Senior-Hund goldwert. Dies wird er dir auch zeigen. Du wirst eine treue Seele an deiner Seite haben, die dich zwar vielleicht nicht mehr so schnell begleiten kann, aber sehr zuverlässig ist.

Vorteile erwachsener Hunde

Erwachsene Hunde sind oftmals schon stubenrein. Viele können sogar mehrere Stunden alleine zu Hause verweilen. Der Tagesablauf ist mit ihnen besser durchplanbar, da sie sowohl durchgehender schlafen als auch wach bleiben. Auch längere Spaziergänge sind mit ihnen möglich, Gassi an der Leine kennen viele bereits. Die Charakterzüge des erwachsenen Hundes können bereits in Tendenzen angegeben werden – du weißt besser, worauf du dich einlässt, ob der Hund mit Kindern und anderen Tieren verträglich ist. Selbst wenn du dich für eine bestimmte Rasse entscheidest, warten viele Hundeseelen bei Notvermittlungen, die sich genau auf eine Hunderasse spezialisiert haben.

Nimm deinem erwachsenen Neuzugang seine anfängliche Unsicherheit und Angst. Zeige ihm ruhig, gelassen, geduldig und positiv, dass seine Einsamkeit nun ein Ende hat. Deine Fellnase wird immer mehr Vertrauen fassen und sich eng an dich binden.

Im kommenden Beitrag unserer Serie erfährst du, wie du deinem Welpen den Einzug erleichterst.

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